Rassestandards


Rassestandard des Germanischen Bärenhundes


Ursprung: Deutschland
Datum der Publikation
des gültigen Originalstandards:
01.12.2006
Verwendung: Lagerschutzhund
Klassifikation IKU/
gleichzusetzen mit FCI:
Gruppe 2
Pinscher und Schnauzer, Molosser und
Schweizer Sennenhunden
Sektion 2,2
Moloser, Berghunde ohne Arbeitsprüfung.
Kurzer geschichtlicher Abriss: Der Germanische Bärenhund ist eine Rückzüchtung auf den Urhund der alten Germanen zu Zeiten der Völkerwanderung.Als in grauer Vorzeit die alten Germanen sich auf den Weg machten um einen neuen Lebensraum zu suchen,begleiteten sie auch große Molossoide Hunde. Die Germanen wurden sesshaft, lebten, jagten und kämpften mit ihren Hunden. Bei Kämpfen wurden die Hunde auch Beute der Römer und gelangten so ins Römische Reich. Es ist anzunehmen, dass ein Großteil der heutigen Großhunderassen auf diesen Ursprung zurückgeht. Im Laufe der Zeit sind die Spuren der Bärenhunde verloren gegangen. Bis es in den 80 Jahren des 20.Jahrhunderts zu einem Fehlwurf zwischen Bernhardiner und Hirtenhund(*) kam. Das war die Wiedergeburt der Germanischen Bärenhunde. Der Erstzüchter Carsten Kieback vollendete die Zuchtlinie der Bärenhunde, so dass sie als Rasse im Jahre 1997 vom DRC (Deutscher Rassehunde Club e.V.), anerkannt wurde.

(*) = nur diese Rassen wurden im GBH eingezüchtet. Eine Fremdrasse entspricht nicht dem Standard. Seit 1997 ist die Einzucht von Grundrassen nur dem Erstzüchter erlaubt. Bei Zuwiderhandelungen sind diese Nachkommen als Mischrassen zu bewerten! In der Ahnentafel müssen 3 Generation Germanische Bärenhunde ab dem 01.12.2006 eingetragen sein.

Allgemeines Erscheinungsbild: Eindrucksvolle Größe und majestätische Erscheinung.
Die Gestalt ist wohlproportioniert, der massige Knochenbau und die gute Bemuskelung gibt seinen Bewegungen, die kraftvoll, raumgreifend und ausdauernd sind, eine vollendete Harmonie. Der friedliche und aufmerksame Gesichtsausdruck rundet sein Erscheinungsbild ab.
Wichtige Proportion: Die größte Breite des Schädels entspricht ca. 65-75 % seiner Länge. Der Fang ist etwas kürzer als der Schädel. Die von der Bugspitze bis zum Sitzbeinhöcker gemessene Körperlänge übertrifft leicht die Widerristhöhe. Die Tiefe der Brust ist geringer als die Hälfte der Widerristhöhe.
Verhalten / Charakter / (Wesen): Der Germanische Bärenhund ist als Lagerschutzhund deklariert, somit ist er Wächter und Behüter seines „Rudels“. In heutiger Zeit ist das seine Familie und dessen Umfeld. Der Umgang mit Kindern und Haustieren entspricht diesem angeborenen Verhalten. Er ist sehr wachsam, aber kein Kläffer. Sein Schutztrieb ist eher defensiv und zurückhaltend, wobei er die Umgebung ständig in Beobachtung hat. Im Fall einer Bedrohung reagiert er blitzschnell und angemessen.
Kopf: Der Kopf ist trocken und im guten Verhältnis zur Körpergröße. Die Kopfseiten sind ziemlich flach. Sowohl in Bewegung, als auch im Stand, wird der Kopf mittelhoch getragen. Bei Erregung runzelt er die Stirn.
Oberkopf (Schädel): Die größte Breite des Schädels entspricht ca. 65-75 % seiner Länge. Er ist leicht gewölbt, da die Scheitelbeinleiste zu fühlen ist. Der Hinterhauptkörper ist fühlbar. Der Schädel ist in seinem hinteren Teil eher flach mit leichter Eindellung in der Schädelmitte. Die Augenbrauenböden sind nicht betont und die Stirnfurche ist nur leicht tastbar.
Stop: In sanfter Neigung.
Nasenschwamm: Schwarz und geräumig mit weiten, gut geöffneten Nasenlöchern. Er ist in der Linie des Nasenrückens gelegen.
Fang: Wesentlich kürzer als der Schädel, in einem Verhältnis von ca. 2 zu 1,5. Er ist kräftig, quadratisch und fast ebenso breit wie lang. Seine Vorderfront ist flach. Die Seitenflächen des Fanges verlaufen parallel. Von der Seite gesehen, ist der Nasenrücken gerade.
Lefzen: Die Oberlefze ist massig, überhängend und bedeckt den Unterkiefer, Wobei die untere Begrenzungslinie des Fanges durch die Lippen gebildet wird.
Kiefer / Zähne: Das Gebiss muss vollständig sein. Die Zähne sind gesund und weiß. Scherengebiss (die Schneidezähne des Unterkiefers 1.1 können leicht nach vorne gekippt sein). Zangengebiss ist zulässig, aber mit Abschlag zu bewerten. Die Molaren müssen bei GBH´s mit 24 – 26 Monaten alle vorhanden sein.
Augen: Mittelgroß, rund oder mandelförmig, gerade nach vorne blickend. Die Augenlider sind gut am Augapfel anliegend. Die Farbe der Iris ist dunkel- oder bernsteinfarben. Der Ausdruck ist lebhaft und aufmerksam. Hängelider sind mit Abschlag zu bewerten.
Ohren: Hoch angesetzt (über Augenhöhe), Form: Dreieckig mit abgerundeter Spitze und hängend flach am Kopf getragen. Bei Erregung, werden die Ohren deutlich vom Kopf gestellt.
Hals: Kräftig, bemuskelt, kurz mit leichter Kehlwamme.
Körper: Die Körpergröße übertrifft leicht die Widerristhöhe, gemessen von der Bugspitze bis zum Sitzbeinhöcker. Der Abstand vom Brustbein zum Boden beträgt ca. die Hälfte der Widerristhöhe.
Obere Profillinie: Gerade und gut gefestigt.
Widerrist: Ausgeprägt, etwa in einer Linie mit der Kruppe.
Rücken: Geradlinig, stark bemuskelt.
Lenden: Kurz und fest.
Kruppe: Lang und breit, fast gerade, ohne hervortretende Hüftknochen.
Brust: Die Brust ist in den drei Dimensionen gut entwickelt und reicht bis zu den Ellenbogen.
Rute: Hoch angesetzt, an der Wurzel sehr dick. Sie reicht bis unter den Sprunggelenkknochen und wird in der Ruhestellung tief getragen. Bei Erregung wird die Rute hoch aufgerichtet getragen, ohne sich zu ringeln. Je nach Fellart ist die Rute vollbefedert oder Stockhaar.
Gliedmaßen: Kräftig und gut bemuskelt.
Vorderhand: Die Vorderläufe sind kräftig und stehen senkrecht.
Schultern: Mittellang, mittelmäßig schräg und stärk bemuskelt.
Oberarm: Kräftig, gut bemuskelt und mittellang.
Unterarm:

Gerade, sehr kräftig gut befedert.
Vorderfußwurzelgelenk und Vordermittelfuß: Elastisch.
In der Verlängerung des Unterarmes platziert.

Vorderpfoten: Breit geschlossen mit leicht gewölbten Zehen.
Hinterhand: Die Befederung ist gut je nach Fellart in der Länge. Von hinten gesehen stehen die Hintergliedmaßen senkrecht zu Boden.
Oberschenkel: Mittellang breit, mittelmäßig schräg, die Muskulatur ist stark entwickelt, Knie mäßig gewinkelt, parallel zur Körperachse gelagert.
Unterschenkel: Kräftig, mittellang.
Sprunggelenk: Mäßig gewinkelt breit und trocken.
Hintermittelfuß: Dick und sehnig.
Hinterpfoten: Breit geschlossen mit leicht gewölbten Zehen.
Afterkrallen: Beide Hinterläufe können Afterkrallen tragen, zum Teil auch doppelt.
Gangwerk: Die Bewegung des GBHs ist sehr kraftvoll und frei. Der Bewegungsablauf ist weit ausgreifend und schnell. Er zeigt Geschmeidigkeit und Eleganz. Die Winklungen erlauben dem GBH eine gleichmäßige ausdauernde schnelle Fortbewegung.
Haut: Ziemlich dick, am Unterhautbindegewebe gut anhaftend.
Haar:

Germanische Bärenhunde gibt es in verschieden Fellarten und Farben:
1.) Stock-Haar kurz bis lang
2.) mittellanges Fell
3.) langes Fell 

Das Fell kann glatt sein oder auch leicht gewellt bis kraus. Alle Fellarten sind erlaubt. In jedem Fall ist es dicht und geschmeidig, mit sehr guter Unterwolle.

Am Kopf/ Fang immer kurz Stock-Haar, ab Höhe der Ohren gut ausgeprägte Felllänge mit Kragenbildung, die sich bis um den Hals runter zur Brust fortsetzt (ausgenommen bei Stock-Haar; hier fällt das Haar kürzer aus). An den Läufen Fahnenbildung. Die Hosen sind gut behaart. Die Rute ist voll und buschig, je nach Felllänge.
Farbe: Blond, hirschrot, graublond, dunkelblond, Anthrazit sowie gestromt mit Farbnuancen. Erwünscht sind dunkle Kopfmaske, dunkel Ohren, Rückenfell einfarbig, Rute einfarbig. Ein weißer Kragen ist erlaubt, weiße Flecken im Rückenbereich dürfen nicht mehr als 30% der Grundfarbe ausmachen. Im Bauchbereich sind auch weiß oder helle Farbe erlaubt, auf der Brust, an der Spitze der Pfoten (Socken) und auf dem Nasenrücken und der Rutenspitze sind weiße Abzeichen zulässig. Rein weißes, sowie schwarzes Fell ist nicht erwünscht. Solche Hunde dürfen nicht zur Zucht eingesetzt werden. Auch Hunde mit viel mehr als 30 % Weiß im Rückenbereich er-halten keine Zuchttauglichkeit.
Größe und Gewicht: Masse und Gewicht gelten nur für GBHs, die ausgehwachsen sind (ab ca. 4 Jahre).
Widerristhöhe: Für Rüden von 70 - 85cm, für Hündinnen von 65 - 80 cm; leichte Toleranz
Gewicht:

Für Rüden 50- 85 kg, für Hündinnen 35- 70 kg.
Leichte Toleranz, je nach Zustand des Hundes, ist möglich.

Fehler: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.
Schwere Fehler:

Entropium / ein fehlender Zahn /heller Nasenschwamm / Einknicken oder verdrehen der Gelenke / ausgedehnte weiße Flecken im Rückenbereich über 30% /  keine Maskenbildung / übergroße Hunde

Fehlverhalten: Nervosität oder Aggressivität
Ausschließende Fehler: Partielle oder komplette Depigmentierung der Augenlieder / Glasauge / Schielen / alle im Standart nicht beschriebenen Farben / rein Weiß oder lackschwarzes Fell /  mehrere fehlende Zähne / Vorbiss /Rückbiss / Hund sehr scheu oder ausgesprochen aggressiv / Einzucht von Fremdrassen ( Leonberger- Neufundländer) / fehlende oder unvollständige Einträge in der Ahnentafel.

 

Verfasser: Carsten Kieback